Friedrich Leonhardi
Fotografie von Hans Rempfer (1973).
© Institut für Stadtgeschichte, Ffm. (Sign. S7P Nr. 8815).
Leonhardi, Friedrich H., gen. Fritz. Gemälderestaurator.
* 30.9.1928 Ffm., † 27.6.1996 vermutlich Ffm.
Von 1946 bis 1951 Praktikant in einem Restaurierungsatelier in Ffm., u. a. als Assistent des Restaurators Helmut Tomaschek (1914-?) beim Wiesbaden Central Collecting Point (WCCP), der von der US-Militärregierung eingerichteten Sammelstelle für in der NS-Zeit ausgelagerte, geraubte oder beschlagnahmte Kunstwerke. Für den WCCP war L. insbesondere bei der Restaurierung von Gemälden aus der Sammlung des Berliner Kaiser Friedrich-Museums-Vereins eingesetzt. Daneben Besuch der Zeichenklasse bei Theo Garve an der Städelschule (1947-49) und Weiterbildung durch Kurse zur Materialkunde. Seit 1951, mit der Auflösung des WCCP, Selbstständigkeit als Restaurator. Von 1954 bis 1960 arbeitete L. in Berlin, vor allem für die Staatlichen Museen zu Berlin (insbesondere das Alte Museum) und in der Marienkirche (Restaurierung des spätmittelalterlichen Totentanzes, 1954-57) in Ost-Berlin sowie für den Kunsthandel. Wohl bald nach seiner Rückkehr nach Ffm. 1960 legte er als freischaffender Restaurator im städtischen Auftrag die Gewölbemalereien im Chor und im Seitenschiff der Leonhardskirche (um 1960/61) frei. In den kommenden Jahren wirkte er jedoch häufig in der Pfalz, wo er Altäre und Malereien in zahlreichen Kirchen restaurierte [u. a. Freilegung und Konservierung der romanischen Wandmalereien in der evangelischen Kirche in Alsenborn, ab 1964, und Freilegung mittelalterlicher Wandmalereien in der alten Johanneskirche in (Neustadt-)Mußbach, 1968]. Ab 1970 führte L. im Auftrag der Stadt Ffm. wiederholt aufwendige Restaurierungsarbeiten im Ffter Dom St. Bartholomäus aus: Konservierung bzw. Restaurierung von 27 Bildwerken (1970 bis um 1973), Restaurierung des Maria-Schlaf-Altars in der farbigen Fassung des 19. Jahrhunderts (1974-75), Freilegung (um 1977) und Restaurierung (um 1983 bis 1986) der beiden Wandbilder mit der Darstellung der Krönung Mariens und der Erscheinung des auferstandenen Christus vor Maria Magdalena von 1407/27 im Hochchor, Restaurierung des Bartholomäusfrieses (1981-83).
Mit seinem Selbstverständnis des Restaurators als Handwerker (und nicht als Künstler) hatte L. eine relativ moderne Auffassung von seinem Beruf, den er durchaus als Berufung begriff (vgl. Ehrlich: Alte Oper 1981, S. 81). Die früher übliche interpretatorische Wiederherstellung, etwa zur Rekonstruktion von Fehlstellen in der Malerei, lehnte er ab. Dementsprechend sah er auch die Beseitigung von Schäden und Übermalungen früherer Restaurierungen als seine Aufgabe an. Die Reversibilität jedes restauratorischen Eingriffes gehörte für ihn „zu den unumstößlichen Gesetzen seines Berufes“ (zit. nach: FAZ, 30.12.1972).
Mitglied des Deutschen Restauratoren-Verbands.
Weitere Restaurierungsarbeiten in Ffm.: Restaurierung der Wandmalereien von Wilhelm Steinhausen in der Aula des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums (um 1966), Übertragung und Restaurierung von sechs (ursprünglich im Treppenhaus des Opernhauses befindlichen) Dichter-Lünetten für das Foyer der Alten Oper (um 1976/81), Übertragung der Tapisserien mit chinesischen Motiven aus dem 18. Jahrhundert im Wintergarten der Villa Merton am Leonhardsbrunn (um 1979), Restaurierung des Zyklus von 83 Tafelbildern aus der Katharinenkirche (bis 1988) sowie Restaurierung von Leinwand- und Tafelgemälden für die Denkmalpflege und den Kunsthandel. Im Auftrag des städtischen Referats für Denkmalpflege fertigte L. in den 1980er Jahren auch Untersuchungen, etwa zur ursprünglichen Farbgebung, im Rahmen der Sanierung von historischen Altbauten wie Villen im Westend an.
Für das von einem Schauspielerkollektiv 1960 gegründete Ffter Kellertheater „Die Katakombe“ baute L. den Keller des Hauses Schützenstraße 8 zur Bühne um; das Theater hatte dort bis zum Umzug in ein ehemaliges Kino in der Pfingstweidstraße 2 am Zoo 1982 seinen Sitz.
Mit seinem Selbstverständnis des Restaurators als Handwerker (und nicht als Künstler) hatte L. eine relativ moderne Auffassung von seinem Beruf, den er durchaus als Berufung begriff (vgl. Ehrlich: Alte Oper 1981, S. 81). Die früher übliche interpretatorische Wiederherstellung, etwa zur Rekonstruktion von Fehlstellen in der Malerei, lehnte er ab. Dementsprechend sah er auch die Beseitigung von Schäden und Übermalungen früherer Restaurierungen als seine Aufgabe an. Die Reversibilität jedes restauratorischen Eingriffes gehörte für ihn „zu den unumstößlichen Gesetzen seines Berufes“ (zit. nach: FAZ, 30.12.1972).
Mitglied des Deutschen Restauratoren-Verbands.
Weitere Restaurierungsarbeiten in Ffm.: Restaurierung der Wandmalereien von Wilhelm Steinhausen in der Aula des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums (um 1966), Übertragung und Restaurierung von sechs (ursprünglich im Treppenhaus des Opernhauses befindlichen) Dichter-Lünetten für das Foyer der Alten Oper (um 1976/81), Übertragung der Tapisserien mit chinesischen Motiven aus dem 18. Jahrhundert im Wintergarten der Villa Merton am Leonhardsbrunn (um 1979), Restaurierung des Zyklus von 83 Tafelbildern aus der Katharinenkirche (bis 1988) sowie Restaurierung von Leinwand- und Tafelgemälden für die Denkmalpflege und den Kunsthandel. Im Auftrag des städtischen Referats für Denkmalpflege fertigte L. in den 1980er Jahren auch Untersuchungen, etwa zur ursprünglichen Farbgebung, im Rahmen der Sanierung von historischen Altbauten wie Villen im Westend an.
Für das von einem Schauspielerkollektiv 1960 gegründete Ffter Kellertheater „Die Katakombe“ baute L. den Keller des Hauses Schützenstraße 8 zur Bühne um; das Theater hatte dort bis zum Umzug in ein ehemaliges Kino in der Pfingstweidstraße 2 am Zoo 1982 seinen Sitz.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Literatur:
Die bildenden Künstler in Ffm. 1989.
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Ehrlich: Alte Oper 1981, S. 80-82, 92f., 150.
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Kinkel: Dom St. Bartholomäus 1986, S. 60.
Quellen:
lh.: Ruß im Dom. In: FAZ, 12.2.1972.
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cvh. [d. i. Christa von Helmolt]: Rettungsmanöver für Heilige. Konservierungsarbeiten an Schnitzaltären im Kaiserdom. In: FAZ, 15.2.1972.
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N. R.: Mit Kunststein gegen Großstadtluft. Die Restaurierungsarbeiten im und am Dom machen sichtbare Fortschritte. In: FAZ, 7.10.1972.
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cvh. [d. i. Christa von Helmolt]: Ffter Gesichter: Friedrich Leonhardi. In: FAZ, 30.12.1972.
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cvh. [d. i. Christa von Helmolt]: In der farbigen Gestaltung des 19. Jahrhunderts. Der restaurierte Maria-Schlaf-Altar im Dom. In: FAZ, 10.6.1975.
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Helmolt, Christa von: Im Dom wird re-restauriert. Friedrich Leonhardi legt zwei mittelalterliche Wandbilder frei. In: FAZ, 5.1.1977.
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K. H.: Neues Leben in der Villa Merton. (...) In: FAZ, 12.2.1979.
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Ehrlich, Wilfried: Kasein-Transfusion für den Bartholomäusfries. Die Restaurierung der 555 Jahre alten Wandmalereien im Dom. In: FAZ, 7.1.1982.
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W. E. [d. i. Wilfried Ehrlich]: Gerhardt: „Die Stadt erfüllt ihre Dotationspflichten gut“. Nach der Restaurierung der Wandbilder im Chor wird das Langschiff des Domes in Angriff genommen. In: FAZ, 3.12.1986.
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Ehrlich, Wilfried: Die Zukunft ist noch nicht ganz geklärt. Über das Schicksal der jetzt restaurierten 83 Bildtafeln aus der Katharinenkirche. In: FAZ, 25.5.1988.
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W. E. [d. i. Wilfried Ehrlich]: Kundiger Umgang mit Altären. Zum sechzigsten Geburtstag des Restaurators Friedrich Leonhardi. In: FAZ, 29.9.1988.
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lk: Maria-Schlaf-Altar in einem neuen Licht. Restaurierung dauerte ein Jahr. In: HKB, 11.6.1975.
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ISG, S2/7.893.
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ISG, S3/22.013 (Friedrich Leonhardi, Gemälderestaurator).
Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Leonhardi, Friedrich. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/7191
Stand des Artikels: 8.10.2025
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 10.2025
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Oktober 2025.