Johann Jacob Casimir Leonhardi
Reproduktion eines Porträts von unbekannter Hand (aus Dietz: Handelsgesch. IV.2, S. 574).
© unbekannt. Urheber und Entstehungsjahr von Original und Reproduktion sind in der o. g. Bildquelle aus dem Jahr 1925 nicht angegeben. Der Verbleib des Originals konnte bisher nicht ermittelt werden.
Wappen der Freiherren von Leonhardi
Grafik [aus Tyroff (Hg.): Wappenbuch der Oesterreichischen Monarchie 27 (1859), Nr. 37].
Bildquelle: Bayerische Staatsbibliothek, München (Sign. Herald. 150 m-27/28, URN: urn:nbn:de:bvb:12-bsb10455425-6).
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Erster Vertreter der Familie in Ffm. war der Kaufmann Johann Jacob Casimir L. (1709-1780). Der Pfarrersohn aus Mengeringhausen/Waldeck, der zunächst als Apotheker in Worms tätig gewesen war, heiratete 1741 in die Materialwarenhandlung von Johann Michael Koch (1686-1755) in Ffm. ein und wurde daraufhin 1742 Ffter Bürger. Unter der Firma „Johann Michael Koch & Leonhardi“ baute er das seit 1677 bestehende Geschäft systematisch zu einem bedeutenden Unternehmen aus. Um sich neben dem Großhandel mit Materialwaren auch den Kleinhandel und die Herstellung von Arzneimitteln zu sichern, erwarb er spätestens um die Mitte der 1770er Jahre die Apotheke zum Goldenen Engel und im Zuge der Vermögensauseinandersetzung mit seinem geschiedenen Schwiegersohn Johann Matthias Henrizi (auch: Henrici; 1738-1801) dessen Apotheke zum (Goldenen) Hirsch. Beide Apotheken übertrug er dem aus Wertheim stammenden Apotheker Johann Samuel Buch (1750-1805), der seit 1776 mit seiner zweitältesten Tochter verheiratet war. Die Materialwarenhandlung „Johann Michael Koch & Leonhardi“ übergab Johann Jacob Casimir L. 1774 seinem Sohn Johann Peter (von) L. (1747-1830), der sie ebenso erfolgreich weiterführte. Unter Johann Peters Sohn Karl Ludwig (von) L. (1781-1864), der das Geschäft 1802 übernahm, ging es allerdings 1824 in Konkurs.
Durch die Heirat mit Margaretha Elisabetha Koch (1718-1785), der einzigen Erbin seines Geschäftspartners Johann Michael Koch, hatte Johann Jacob Casimir L. seinerzeit schnell Anschluss an die Ffter Stadtgesellschaft gefunden. Er wurde in die Niederländische Gemeinde Augsburger Confession aufgenommen, der die Familie seitdem angehört, und war zeitweise im Gemeindevorstand tätig (als Diakon 1751, Mittelältester 1762 und Senior 1768). Auch zeigte sich Johann Jacob Casimir L. interessiert am städtischen Gemeinwesen: Für sein Quartier war er von spätestens 1767 bis 1780 in den Ausschuss der 28er entsandt, dem das 51er- und das Neuner-Kolleg regelmäßig über ihre Revision der städtischen Finanzen und des gesamten Stadtwesens zu berichten hatten. Johann Jacob Casimir L. schied aus dem 28er-Ausschuss aus, als sein Sohn Johann Peter (von) L. 1780 in das 51er-Kolleg gewählt wurde. Diesem Bürgerausschuss stand Johann Peter von L. später (1800-10) als Senior und Direktor vor. Johann Peters Sohn Jacob Friedrich (von) L. (1778-1839) sowie dessen Söhne Wilhelm von L. (1812-1856) und Ludwig von L. (1825-1884), alle drei promovierte Juristen, schlugen eine Laufbahn in Politik und Diplomatie ein.
Im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert waren die L. eine der wohlhabendsten Familien der Stadt. Mit den Bankiers Gebr. Bethmann und den Schnupftabakfabrikanten Bolongaro gehörte Johann Jacob Casimir L. zu den ersten Guldenmillionären in Ffm. Bei seinem Tod 1780 hinterließ er ein Vermögen in Höhe von 1.107.202 Gulden, das unter seinen sechs lebenden Kindern (vier Töchtern und zwei Söhnen) aufgeteilt wurde, wobei der jüngere Sohn nur den Pflichtteil erhielt, nachdem er „sich eines Vergehens gegen seine schöne und liebenswürdige Gattin schuldig gemacht“ hatte und deshalb aus der Stadt „entfernt werden musste“ (nach Dietz: Handelsgesch. IV.2, S. 575). Der ältere Sohn Johann Peter L. erwarb 1790 ausgedehnte Landgüter in der Wetterau und wurde daraufhin 1791 geadelt; seine Erhebung in den Reichsfreiherrnstand wurde 1794 vom Kaiser in Wien bestätigt.
Das ursprüngliche Familienwappen zeigt einen goldenen Löwen auf blauem Grund. Am Herrenhaus des L.’schen Schlosses in Groß-Karben in der Wetterau ist über dem hofseitigen Haupteingang das inschriftlich auf 1802 datierte Vollwappen der Freiherren von L. angebracht: Der gevierte Schild zeigt in Feld 1 und 4 in Gold einen vorwärts schreitenden schwarzen Krieger, der in den erhobenen Händen jeweils einen gestürzten Pfeil hält, und in Feld 2 und 3 in Blau einen einwärts springenden goldenen Löwen. Das Oberwappen besteht aus zwei gekrönten Helmen, wobei den rechten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein wachsender goldener Löwe zwischen einem golden-schwarz übereck geteilten Flug, den linken Helm mit blau-goldenen Decken ein wachsendes schwarzes, silbern bewehrtes Einhorn zwischen einem golden-blau übereck geteilten Flug ziert. Als Schildhalter dient auf der heraldisch rechten Seite ein widersehendes schwarzes, silbern bewehrtes Einhorn, das auf der anderen Seite kein Pendant hat.
Neben dem Geschäftssitz der Materialwarenhandlung „Johann Michael Koch & Leonhardi“ im Haus zum Großen Schnabel in der Schnurgasse (Lit. K 111, später Nr. 61) besaß die Familie (von) L. weitere Immobilien in Ffm. und Umgebung, u. a. das ererbte Wohnhaus in der Großen Eschenheimer Gasse (Lit. D 170, später Nr. 29) gegenüber dem Thurn und Taxis’schen Palais (verkauft und abgerissen 1804), das spätere Wohnhaus auf der Zeil (Lit. D 2-4, später Nr. 34, neu: 92), das Johann Peter von L. 1795/96 von dem französischen Architekten Nicolas Alexandre Salins de Montfort errichten ließ (verkauft 1834, kriegszerstört 1944), und ein Gartenhaus in der Bockenheimer Anlage, das spätestens 1806/07 ebenfalls von Nicolas Alexandre Salins de Montfort entworfen wurde (verkauft oder verpachtet 1825 bzw. spätestens verkauft 1835, abgerissen um 1907, unter Verwendung des originalen Portikus rekonstruiert als „Villa L.“ im Palmengarten 1988/89); zum Erbe von Johann Jacob Casimir L. gehörten 1780 etwa auch Ländereien und das Haus zum Rappen in Niederrad. Das Sommerhaus von Johann Peter von L. mit ausgedehnten Weingärten am Mainufer in Sachsenhausen zeigt ein um 1800 entstandenes Ölgemälde, das im Eigentum der Familie überliefert ist. Bis heute befinden sich das L.’sche Schloss in Karben-Groß-Karben (seit 1790) und die Oberburg in Nidderau-Heldenbergen (seit 1886) in Familienbesitz.
Die Familie L. hatte seit 1785 eine Familiengrabstätte auf dem Ffter Petersfriedhof, die 1796 und 1816 erweitert wurde. Dort ließ sich Johann Peter von L. noch zu Lebzeiten 1791 ein Grabmal setzen, das bis heute vor Ort weitgehend erhalten ist (2. Friedhofsteil, Nordwand, Nr. 45). Der Petersfriedhof war jedoch schon (seit 1828) geschlossen, als Johann Peter von L. 1830 starb. Er wurde daher in der neu erworbenen Familiengruft auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gruftenhalle, Gruft 51) bestattet, die der Familie seitdem als Grablege diente.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
4 herausragende Vertreter der Familie in Ffm.
Leonhardi, Friedrich (von)
Erster Unterricht durch einen Hauslehrer. Besuch des städtischen Gymnasiums in Ffm. Nach der Konfirmation 1794 Abbruch der Schulausbildung aus gesundheitlichen Gründen. 1795 Erholungsreise mit der Mutter nach Süddeutschland und in die Schweiz. Dort Bekanntschaft und seitdem Briefwechsel mit Johann Caspar Lavater (1741-1801). Von 1796 bis 1798 Studium der Rechte und der Staatswissenschaften in Marburg. Beginn der Freundschaft mit seinen damaligen Kommilitonen Constantin Franz Fürchtegott von Neurath (1777-1817) und Friedrich Carl von Savigny (1779-1861). Im Herbst 1798 Aufenthalt in den Bädern Nenndorf und Pyrmont mit anschließender Reise durch Norddeutschland. Rückkehr ins Elternhaus. Dort im Winter 1798/99 Ausarbeitung des „Versuchs einer Vormundschaftslehre mit Hinsicht auf die Statuten der Reichsstadt Fft.“ (im Druck 1799). Aufgrund dieser Schrift 1799 Promotion (ohne Disputation) in Gießen. Kuraufenthalte in den Bädern Wiesbaden (1799), Schwalbach (1800) und Aachen (1801). In jenen Jahren, seit dem gemeinsamen Marburger Studium, gehörte L. zum engen Freundeskreis um Savigny. Durch L. hatte Savigny im Sommer 1799 auf dem Gut der Familie von L. in Lengfeld/Odenwald auch Karoline von Günderrode kennengelernt, die mit der Familie, insbesondere mit Friedrich von L. und dessen Schwester Carolina von Barckhausen, befreundet war.
Von Mai 1801 bis Februar 1802 Bildungsreise durch Belgien, Holland, England und Frankreich. Nach der Heimkehr 1802 freie Tätigkeit als Verfasser von juristischen und staatsrechtlichen Schriften, die er anonym in gelehrten Zeitschriften veröffentlichte. 1805 Ernennung zum Kurfürstlich Hessischen Geheimen Legationsrat und zum kurhessischen außerordentlichen Gesandten an den Höfen in Stuttgart und Karlsruhe (im Amt de facto bis 1806, formell bis 14.1.1811); zugleich hessen-darmstädtischer Gesandter in Karlsruhe (um 1805/06). Bis 1812 hauptsächlich Beschäftigung mit der Literatur und den Wissenschaften als Privatgelehrter, wohl meist in Ffm., unterbrochen von wiederholten Bäderkuren und einer Reise nach Österreich (1811). Anonyme Publikation einzelner Schriften (wie „Vergleichende Übersicht des österreichischen Kaiserstaates von 1804-1809“, 1809, und „Ueber Staats-Einkünfte, vorzüglich nach dem Oeconomie-Industrie-System. Ein Beitrag zur angewandten Staatslehre“, 1812). Mitglied des Graduiertenkollegs in Ffm., einer Vereinigung von Medizinern und Juristen mit akademischem Titel zur Standes- und Interessenvertretung, die von 1705 bis 1866 bestand. 1812 Ernennung zum Großherzoglich Hessischen Geheimen Rat; seitdem (insbesondere 1813/14) zahlreiche Konzepte und Aufträge für das großherzoglich-hessische Ministerium. Von 1813 bis 1815 großherzoglich-hessischer Korrespondent beim Oberrheinischen Kreis und in der Stadt Ffm. Zugleich (1814-16) Engagement in stadtpolitischen Gremien, u. a. als Mitglied einer Verfassungskommission (ab Januar 1814), Mitglied des 51er-Kollegs (ab Anfang 1815) und dessen Deputierter bei der Polizeibehörde sowie Mitglied der außerordentlichen Kriegsdeputation.
Seit der Gründung des Deutschen Bundes mit der Etablierung der Bundesversammlung (des „Bundestags“) in Ffm. ab 1816 wirkte L. als Bundestagsgesandter für die 16. Kurie, in der die acht Kleinstaaten Liechtenstein, Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen, Reuß ältere Linie, Reuß jüngere Linie, Lippe, Schaumburg-Lippe und Waldeck zu einer gemeinsamen Vertretung zusammengefasst waren; deren Stimme im Engeren Rat des Bundestags führte L. kraft seines Amtes bis zu seinem Tod 1839. Als Zeichen ihrer Zufriedenheit erteilten ihm die von ihm vertretenen Fürsten bereits 1818 den Titel „Exzellenz“, und einige von ihnen ernannten ihn zum Wirklichen Geheimen Rat. Die eigene wissenschaftliche Beschäftigung blieb L. trotz seiner zeitaufwendigen Amtspflichten ein wichtiges Anliegen, so dass er zahlreiche Arbeiten zum Bundesrecht zumindest angeregt und gefördert haben dürfte.
Abgesehen von wenigen Reisen (nach Süddeutschland und in die Schweiz, 1822, sowie in die böhmischen Bäder, 1828), lebte L. während seiner Zeit als Bundestagsgesandter dauerhaft in Ffm. Erst als er nach dem Tod des Vaters Johann Peter von L. 1830 den Fideikommissbesitz der Familie in der Wetterau übernommen hatte, wohnte er zeitweilig auch im L.’schen Schloss in Groß-Karben. Die herrschaftliche Verwaltung der Güter verlief offenbar nicht ohne Konflikte (vgl. auch die von L. verfasste „Eingabe an die hessische Ständeversammlung betr. die den Besitzern ehemals ritterschaftlicher Güter zukommenden Berechtigungen“, 1835). Dennoch wirkte L., u. a. als Patron von Schulen und Kirchen, wohltätig in den zu seinem Besitz gehörenden Ortschaften. Das von seinem Vater 1795/96 errichtete „Haus L.“ auf der Zeil (Lit. D 2-4, später Nr. 34, neu: 92; kriegszerstört 1944) verkaufte L. 1834 an den Bankier Amschel Mayer von Rothschild. Daraufhin erwarb er 1835 ein Haus in der Großen Eschenheimer Gasse (Lit. D 166, später Nr. 37; verkauft an das Bankhaus Sulzbach um 1857, nicht erhalten) als Wohnsitz für sich und seine Familie, schräg gegenüber vom „Bundespalais“ (Palais Thurn und Taxis), in dem die Bundesversammlung tagte.
Mitglied und 1816 Mittelältester der Niederländischen Gemeinde Augsburger Confession.
1815 Kommandeurkreuz des Großherzoglich Hessischen Verdienstordens (bzw. Ludwigsordens). 1836 Großkomturkreuz des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens.
Bestattet in der Familiengruft auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gruftenhalle, Gruft 51).
Der Fideikommissbesitz der Familie in der Wetterau ging nach L.s Tod 1839 zunächst an den ältesten lebenden Sohn Wilhelm von L., nach dessen Tod 1856 an den jüngeren Sohn Ludwig von L.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
GND: 116919590 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Stand des Artikels: 6.6.2026
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 06.2026
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Leonhardi, Hermann (Karl) von
Hermann von Leonhardi
Fotografie (Leopoldina-Archiv, Sign. M3_03 Band 4_2033).
© Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, Archiv, Halle (Saale).
Der Vater Karl Ludwig von L., der seit 1802 das wiederum von seinem Vater Johann Peter von L. übernommene Handelshaus „Johann Michael Koch & Leonhardi“ weiterführte, begründete die böhmische Linie der Familie von L.: Er kaufte um 1810/11 die Herrschaft Platz (tschechisch: Stráž) mit dem zugehörigen Ort Erdreichsthal (tschechisch: Hutě u Příbraze) in Südböhmen und erwarb 1812 das böhmische Inkolat für sich und seine Nachkommen. Aufgrund seines „ungeheuren Geldverbrauchs“, mit dem er seinem Vater Johann Peter von L. und seinem Schwiegervater Heinrich Mülhens „viele Sorgen und Ausgaben“ bereitete (nach Dietz: Handelsgesch. IV.2, S. 576f.), ging er mit der Firma „J. M. Koch & Leonhardi“ 1824 in Konkurs.
Schüler des Gymnasiums in Ffm., der privaten Erziehungsanstalt des Pestalozzianers Zipf in Hanau und des Lyceums unter Grotefend in Hannover. Seit 1827 Studium der Natur- und Rechtswissenschaften sowie der Philosophie in Göttingen. Schüler des Philosophen und Göttinger Privatdozenten Karl (eigentl.: Carl) Christian Friedrich Krause (1781-1832). Relegation von der Universität Göttingen, weil er in einer Vorlesung bei Johann Amadeus Wendt (1783-1836), dem Göttinger Ordinarius für Philosophie, offensiv für seinen Lehrer Krause eingetreten sein soll. Daraufhin (1829) Fortsetzung des Studiums in München, wo er als Anhänger Krauses in Untersuchungshaft genommen und in 40 Verhören zu dessen Philosophie befragt wurde. Da sein Vater sich von ihm abgewandt hatte, wurde L. nach der Haftentlassung durch seinen Großvater unterstützt. Nach Krauses Tod 1832 in München erhielt L. dessen handschriftlichen Nachlass, den er ab 1834 herausgab; seit 1841 war L. mit einer Tochter von Krause verheiratet. Ab 1837 erneuter Aufenthalt in Göttingen. 1839 Rückkehr nach Ffm. Reisen durch Mitteldeutschland. Nähere Bekanntschaft mit Friedrich Fröbel. Seit 1842 Privatdozent in Heidelberg, wo er Vorträge „für gebildete Kreise“ hielt. Im Revolutionsjahr 1848 sprach sich L. in Volksversammlungen für die Notwendigkeit besonnener Reformen und gegen die Umsturzpläne Heckers und Struves aus. Seit 1849 außerordentlicher, seit 1866 ordentlicher Professor für theoretische und praktische Philosophie an der Universität Prag.
In der Botanik betrieb L. insbesondere Algenkunde.
L. veranstaltete 1868 den 1. Philosophenkongress in Prag. Der 2. Philosophenkongress, der ebenfalls von L. organisiert wurde, fand 1869 in Ffm. statt. Als Rednerinnen für den Ffter Kongress gewann er u. a. die Frauenrechtlerinnen Bertha von Marenholtz-Bülow (1810-1893) und Louise Otto-Peters (1819-1895). Infolge des Ffter Kongresses entstand 1871 der von Bertha von Marenholtz-Bülow in Dresden gegründete Allgemeine Erziehungsverein, der die Grundsätze Fröbels und Krauses verband.
Seit 1864 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in der Sektion Botanik. Mitglied der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. Engagiert in der freireligiösen Bewegung.
Veröffentlichungen: „Winke zur Kritik Hegels. Bei Gelegenheit der unwissenschaftlichen Anmaßungen des Herrn G_s in der preußischen Staatszeitung. Ein für den jetzt unterbrochenen Hesperus bestimmt gewesener Aufsatz“ (1832), „Einige Gedanken über den Deutschkatholizismus“ (1847), „Ueber Pflanzen- und Thiersystematik“ (in: Verhandlungen des Zoologisch-Botanischen Vereins, Wien 1857), „Über die böhmischen Characeen“ (in: Lotos, 1863), „Weitere Characeen-Fundorte“ (in: Lotos, 1863), „Die bisher bekannten österreichischen Armleuchter-Gewächse besprochen vom morphogenetischen Standpuncte“ (mit einer grafischen Darstellung von Darwins Entwicklungstheorie unter Anwendung der Krause’schen Kategorientafel, 1864), „Sätze aus der theoretischen und praktischen Philosophie als Entwurf zur Besprechung auf dem für den 26. September 1868 und die folgenden Tage nach Prag berufenen Philosophencongress“ (1869), „Der Philosophencongress als Versöhnungsrath. Beitrag zu einer Lösung der religiösen Zeitfrage“ (1869) u. a. Aus L.s Nachlass wurden seine Schriften „Karl Christian Friedrich Krause’s Leben und Lehre“ (hg. v. Paul Hohlfeld u. August Wünsche, 1902) und „Karl Christian Friedrich Krause als philosophischer Denker (…)“ (hg. v. Paul Hohlfeld u. August Wünsche, 1905) publiziert.
Herausgeber der Zeitschrift „Die Neue Zeit. Freie Hefte für vereinte Höherbildung der Wissenschaft und des Lebens, den Gebildeten aller Stände gewidmet“ (4 Bde., 1869-75).
Ehrenmitglied des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins.
Nachlassbestände in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin und im Nachlass Karl Christian Friedrich Krause in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden.
Die Alge Nitella leonhardii wurde nach L. benannt.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
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Leonhardi, Johann Peter (von)
Johann Peter (von) Leonhardi
Reproduktion eines Porträts von unbekannter Hand (aus Dietz: Handelsgesch. IV.2, S. 576).
© unbekannt. Urheber und Entstehungsjahr von Original und Reproduktion sind in der o. g. Bildquelle aus dem Jahr 1925 nicht angegeben. Der Verbleib des Originals konnte bisher nicht ermittelt werden.
Nachdem die beiden älteren Brüder im Säuglings- bzw. Kleinkindalter gestorben waren, wuchs Johann Peter L. als der älteste Sohn auf. Er absolvierte offenbar eine kaufmännische Lehre in Ffm. und bildete sich auf ausgedehnten Reisen in Frankreich, Spanien, der Schweiz, Holland, England und Deutschland weiter, wobei er auch Kenntnisse in verschiedenen Fächern der Wissenschaft erwarb. Zum 1.8.1774 übernahm L. die väterliche Materialwarenhandlung „Johann Michael Koch & Leonhardi“ im Haus zum Großen Schnabel in der Schnurgasse (Lit. K 111, später Nr. 61), die er seitdem führte und weiter ausbaute. 1780 erbte er von seinem Vater etwa eine Viertelmillion Gulden. Damit gehörte er endgültig zu den reichsten Kaufleuten der Stadt.
Im Juni 1790 erwarb L. von dem in Konkurs befindlichen hessen-darmstädtischen Jägermeister Wilhelm Adam von Curti (1742-1823) das Klüppel’sche Lehen, ein kurpfälzisches Mannlehensgut in der Wetterau, das die Besitzrechte auf Groß-Karben mit einem Schloss (seitdem: L.’sches Schloss; erhalten) als Hauptsitz, Klein-Karben, Kaichen, Kloppenheim, Burggräfenrode und Dortelweil umfasste. Daraufhin erhielt er von dem Kurfürsten Karl Theodor von Pfalzbayern (1724-1799) im Dezember 1790 den Lehensbrief, im Februar 1791 den kurpfälzischen Wappenbrief und im August 1791 die Erhebung in den Freiherrnstand; am 15.3.1794 wurde seine Erhebung in den Reichsfreiherrnstand durch den Kaiser in Wien bestätigt. L. vergrößerte seinen Grundbesitz in der Wetterau durch weitere Ankäufe, insbesondere der Rauch’schen Güter in Groß-Karben sowie 1809 der Edelsheim’schen Güter in Dortelweil und Nieder-Erlenbach, und wandelte ihn in ein Fideikommiss (und somit unteilbaren und unveräußerlichen Familienbesitz) um, was ihm im September 1811 bestätigt wurde. Sein jüngerer Sohn Karl Ludwig von L., dem er bereits 1802 die Materialwarenhandlung „Johann Michael Koch & Leonhardi“ in Ffm. übergeben hatte, hatte gerade um 1810/11 die Herrschaft Platz (tschechisch: Stráž) mit dem zugehörigen Ort Erdreichsthal (tschechisch: Hutě u Příbraze) in Südböhmen für sich und seine Nachkommen erworben. Aufgrund seines „ungeheuren Geldverbrauchs“, weswegen er seinem Vater Johann Peter von L. „viele Sorgen und Ausgaben“ bereitete und später (1823) mit seinem Schwiegervater, dem Bankier Heinrich Mülhens, auf unschöne Weise prozessierte (nach Dietz: Handelsgesch. IV.2, S. 576f.), führte Karl Ludwig von L. die Firma „J. M. Koch & Leonhardi“ 1824 in den Konkurs.
Johann Peter von L. gehörte seit 1780 dem 51er-Kolleg an, einem Bürgerausschuss mit 51 Mitgliedern, dem insbesondere die Kontrolle über die Finanzverwaltung der Stadt und die Ausgaben des Rats oblag. Von 1800 bis 1810 stand L. als Senior und Direktor dem 51er-Kolleg vor, womit der Titel des Wirklichen Kaiserlichen Rats verbunden war. Seit der Errichtung des Großherzogtums Fft. 1810 war L. dann Mitglied im Departementrat, zeitweise (nachweislich 1811-12) als dessen Präsident. Nach dem Ende des Großherzogtums 1813 legte er mit der Wiedereinsetzung des Bürgerausschusses als Ständige Bürgerrepräsentation das Amt als Senior und Direktor im April 1814 offiziell nieder. Als Mitglied der gesetzgebenden 13er-Kommission wirkte L. 1816 an der Ausarbeitung der Konstitutionsergänzungsakte als Verfassung für die Freie Stadt Ffm. mit.
Mitglied und 1786 Mittelältester der Niederländischen Gemeinde Augsburger Confession. Von 1775 bis 1778 Pfleger des Hospitals zum heiligen Geist.
Während eines Aufenthalts in Amsterdam 1768 zum Freimaurer geworden, wurde L. im April 1770 in die Loge zur Einigkeit („Unionsloge“) und kurz darauf in die damit verbundene Provinzialloge in Ffm. aufgenommen. Bald bekleidete er Ämter in beiden Logen, u. a. als Schatzmeister in der Provinzialloge (ab 1772). Im Mai 1782 trat er mit dem Namen Anacharsis auch in den Illuminatenorden ein, dessen Ffter Mitglieder unter dem persönlichen Einfluss von Knigge einen Gesprächskreis („Club“) bildeten; die Betätigung dieses Clubs als Lesegesellschaft gab den Anstoß zum Aufbau der Bibliothek der Ffter Loge. L. wirkte 1783 wesentlich an der Errichtung des Eklektischen Bundes der Freimaurer mit, dessen Ritual und Gesetzbuch er mitgestaltete. Von 1786 bis 1792 leitete er als Provinzial-Großmeister die Ffter Provinzialloge, die sich in dieser Zeit (1789) wieder an die Große Loge zu London als Mutterloge anschloss. Von 1821 bis 1827 amtierte L. erneut als Provinzial-Großmeister der Ffter Provinzialloge. Bei der Gründung der selbstständigen, von der englischen Großen Loge unabhängigen „Großen Mutterloge des Eklektischen Bundes“ 1823 wurde L. zudem deren erster Großmeister. Dieses Amt als Großmeister des Eklektischen Bundes hatte er offiziell wohl bis zu seinem Tod 1830 inne, aber er führte es aus gesundheitlichen Gründen offenbar nur bis 1826 und wurde bereits ab 1827/28 von seinem späteren Nachfolger Konstantin Fellner (1761-1848) vertreten. Am 11.5.1828 erlitt L. einen Schlaganfall; seitdem lebte er eher zurückgezogen, meist auf seinem Gut in Groß-Karben.
Als repräsentativen Wohnsitz in Ffm. hatte sich L. das „Haus L.“ auf der Zeil (Lit. D 2-4, später Nr. 34, neu: 92) erbauen lassen. Erste Entwürfe, noch im barocken Stil, stammten 1793 von Stadtbaumeister Johann Georg Christian Hess; nach Differenzen mit dem Bauherrn legte Hess im Frühjahr 1795 die Bauleitung nieder, und das bereits begonnene Haus wurde wieder abgerissen. Der Neubau wurde 1795/96 von dem französischen Architekten Nicolas Alexandre Salins de Montfort, der damit einen seiner ersten Aufträge aus dem Ffter Bürgertum erhalten hatte, errichtet. Das Haus L. wurde 1834 von Johann Peters Sohn Jacob Friedrich von L. an den Bankier Amschel Mayer von Rothschild verkauft. Die Familie von Rothschild nutzte es als Stadthaus, bis es Hannah Mathilde von Rothschild und ihre Töchter 1903 in das „Freiherrlich Wilhelm und Freifrau Mathilde von Rothschild’sche Altersheim für Israelitische Frauen und Jungfrauen besserer Stände“ umwandelten (Gebäude im Zuge der „Arisierung“ in der NS-Zeit von der Stadt Ffm. erworben 1939, kriegszerstört 1944).
Spätestens 1806/07 ließ sich L. ein Gartenhaus an der Bockenheimer Anlage ebenfalls von Salins de Montfort entwerfen. Das L.’sche Gartenhaus („Villa L.“) blieb bis 1825 im Besitz der Familie von L. und wurde dann an den Bierbrauermeister und Gastwirt Georg Daniel Rosenbach (1765-1833) verpachtet, der dort von 1825 bis 1833 ein Vergnügungslokal für die bessere bürgerliche Gesellschaft führte. Nach Eigentümerwechseln gehörte das Gartenhaus seit 1852 dem Bankier Raphael (von) Erlanger, weshalb es seitdem auch als „Erlanger’sches Gartenhaus“ bekannt war. Beim Abbruch des Gebäudes um 1907 kam der Portikus als Geschenk des Unternehmers J. Eduard Goldschmid (1851-1925) an den Palmengarten, um als Eingang für das neu erbaute Tennisclubhauses (1912; abgerissen 1988) verwendet zu werden. 1988/89 wurde das L.’sche Gartenhaus als Restaurationsgebäude am Rande des Palmengartens (Zeppelinallee 18) rekonstruiert. Die heutige „Villa L.“, entstanden nach den im HMF überlieferten Originalplänen und unter Verwendung der Spolien vom Portikus, ist das einzige – wenn auch nur im Fragment original – erhaltene Bauwerk von Salins de Montfort in Ffm.
Schon zu Lebzeiten hatte sich L. ein Grabmal (1791) auf dem Petersfriedhof setzen lassen, das vor Ort weitgehend erhalten geblieben ist (2. Friedhofsteil, Nordwand, Nr. 45). Infolge der Schließung des Friedhofs ab 1828 wurde L. jedoch nicht mehr dort bestattet, sondern in der Familiengruft auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gruftenhalle, Gruft 51).
Der Sohn Jacob Friedrich von L., Bundestagsgesandter der 16. Kurie für Liechtenstein, Hohenzollern-Hechingen und -⁠Sigmaringen, beide Reuß, Lippe, Schaumburg-Lippe und Waldeck, übernahm nach dem Tod des Vaters den Fideikommissbesitz in der Wetterau. Dessen Söhne wiederum waren die Juristen und Diplomaten Wilhelm von L. (1812-1856) und Ludwig von L. (1825-1884).
Amtlicher Nachlass von Johann Peter von L., nach dessen Tod übernommen durch den Senat der Stadt Ffm., heute im ISG.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 452, verfasst von: Sabine Hock.
GND: 10314384X (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Stand des Artikels: 6.6.2026
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 06.2026
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Leonhardi, Wilhelm von
Wilhelm von Leonhardi
Lithografie von Valentin Schertle (im Besitz der UB Ffm.).
© Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Ffm. (Porträtsammlung Holzhausen, Nr. 195, URN: urn:nbn:de:hebis:30:2-325940).
Studium der Rechte in Leipzig, Heidelberg und Berlin. Reise in den Norden. 1833 Promotion in Gießen. L. widmete sich, zunächst unter Anleitung des Vaters Jacob Friedrich von L., historisch-bundesrechtlichen Studien [„Versuch einer Entwickelung der Kriegsverfassung des Deutschen Bundes. Als Manuscript für die Hohen Deutschen Regierungen“, 1835; „Das Austrägalverfahren des Deutschen Bundes. Eine historisch-publicistische Monographie“, 2 Bde., 1838/45; „Etwas über die Goldene Bulle (…)“, 1840, Neuausgabe 1853]. Um 1838 mehrmonatiger Aufenthalt in Frankreich, vor allem in Paris und Nancy. Nach dem Tod des Vaters 1839 übernahm L. den Fideikommissbesitz der Familie in der Wetterau mit Hauptsitz in Groß-Karben. 1846 wurde er in die Althessische Ritterschaft aufgenommen. Nachdem L. – nicht zuletzt durch seine Schriften – die Regierungen auf sich aufmerksam gemacht hatte, erhielt er u. a. einen Ruf in das kurfürstliche Ministerium in Kassel und Angebote auswärtiger Posten in der Diplomatie durch die großherzoglich-hessischen Kabinette Thil und Dalwigk. Spätestens seit 1847 in großherzoglich-hessischen Diensten, fungierte L. seitdem als Großherzoglich Hessischer Bevollmächtigter Minister am nassauischen Hof und bei der Freien Stadt Ffm. Er wurde 1848 zum Großherzoglich Hessischen Kammerherrn und 1855 zum Geheimen Legationsrat befördert.
Mitglied gelehrter Gesellschaften.
Träger hoher Orden, u. a. Ritter des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens (1838), Ritter des Herzoglich Braunschweigischen Ordens Heinrichs des Löwen (1845), Ritter (1845), später Kommandeur II. Klasse (1853) des Königlich Hannoverschen Guelphen-Ordens, Ritter des Großherzoglich Hessischen Verdienstordens Philipps des Großmütigen (1850) und Ehrenritter des Königlich Preußischen St. Johanniterordens (1852).
Porträtlithografie (von Valentin Schertle) in je einem Exemplar im Besitz des HMF und in der Porträtsammlung Holzhausen im Besitz der UB Ffm.
Nach L.s frühem Tod 1856 ging der Fideikommissbesitz der Familie in der Wetterau an den Bruder Ludwig, gen. Louis, von L. (1825-1884), der damals gerade (1856) zum Großherzoglich Hessischen Kammerherrn ernannt worden war und 1859 in die Althessische Ritterschaft aufgenommen wurde. Bereits seit 1858 Geschäftsträger und seit 1863 Ministerresident für das Großherzogtum Hessen bei der Freien Stadt Ffm., folgte Ludwig von L. dem Bruder später auch im Amt als Großherzoglich Hessischer Bevollmächtigter Minister am nassauischen Hof (1862-66) und bei der Freien Stadt Ffm. (1866) mit dem Titel eines Geheimen Legationsrats (seit 1864). Schließlich wurde Ludwig von L. zum Mitglied auf Lebenszeit in der Ersten Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen (1881) und zum Großherzoglich Hessischen Oberkammerherrn (1882) ernannt.
Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 452, verfasst von: Sabine Hock.
GND: 141710292 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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© 2026 Frankfurter Bürgerstiftung und bei den Autorinnen und Autoren
Stand des Artikels: 6.6.2026
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 06.2026
Monatslieferung: Neuerscheinungen vom 10. Juni 2026.
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